Denuziatentum

 

Die neue Lust am regierungsbejahenden Denunziantentum

Liebe Leser,

ich bin mir ziemlich sicher – Gott mag keine Denunzianten. Die DDR war ein auf repressiver Egalität (des materiellen Mangels nämlich) aufgebauter selbsternannt-sozialistischer Staat, dessen Staatsmacht zu einem nicht geringen Teil davon lebte, dass offiziell alle im gleichen sozialistischen Schmortopf saßen, dass aber wachsame Bürger es „für ihre Pflicht hielten“, der Staatsmacht anzuzeigen, wenn einer aus dem Topf kriechen und sich so seine Lage erleichtern wollte. Vor einigen Monaten habe ich den Covid-Blockwart vorausgesagt, der unter einer allgemein repressiven Situation in Deutschland unweigerlich und unfehlbar erscheinen wird. Es wird gerne im (Zwangs)Kollektiv geschmort und andere hineingezwungen, wo man selber zu mucken zu feige ist – oder sich in völliger Verblendung auf einer altruistischen MISSION glaubt. Sich mit der Staatsmacht – allgemein: einer Autorität – zu assoziieren und sich als kleines Rädchen im Rahmen staatlicher Anliegen der eigenen Existenz gerne durch beflissenes Buhlen um Aufmerksamkeit auf Kosten der Mitbürger und Landsleute eine Erhöhung verschaffen zu wollen, scheint ein urdeutscher Charakterzug, der mir in dieser Form von unseren Nachbarn nicht bekannt ist. Ich mag diesen Zug überhaupt nicht.—

Es wird keine Solidarität gezeigt mit denen, die unter repressiven Maßnahmen leiden – stattdessen wird sich mit den Trägern repressiver Maßnahmen solidarisiert, solange dem Denunzianten nur der Hauch eines „höheren Zwecks“, einer „epic mission“ seines Tuns angeboten wird und er sich herausgehoben aus der Masse und als legitimer, aber verborgener TEIL DER HERRSCHAFT fühlen darf. Ich vermute, dass in dem allgemeinen Kampf gegen „Feinde“, wie er z.B. in den kommunistischen Ostblockstaaten inszeniert wurde, auch seitens der jeweiligen Eliten ein Werkzeug gesehen wurde, sozusagen Transmissionsriemen in die Gesellschaft hinein zu legen und Leute aus machtfernen Schichten durch ein übersteigertes Gefühl eigener Bedeutung an den Staatszweck zu binden. Heute scheint mir dies genauso. Der Staat wird zum großen Vehikel ihrer kleinlichen privaten Vergeltungsgelüste. Die willigen Zuträger sollten sich in ihrem Tun gut finden, sogar der sprichwörtliche kleine Schüler und Jungpionier Pavlik Morozov (s. https://en.wikipedia.org/wiki/Pavlik_Morozov ), der seine Kulakeneltern denunzierte und dessen Tun selbst Stalin widerwärtig (aber zweckdienlich und deshalb zu loben) gefunden haben soll. —-

Der Durchschnittsbürger hat hierzulande offenbar – aus irgendeinem existenziellen Unsicherheitsempfinden heraus – oftmals das Bedürfnis, den Staat als eine ihn persönlich liebende und mit Aufmerksamkeit bedenkende Struktur wahrnehmen zu wollen. Die Crux an solchem Bürger-Verhalten, das eigentlich ein subalternes Untertanenverhalten von Menschen ohne eigenes Werteskelett ist, besteht in dessen narzisstischer und egoistischer Seite, die sich bedenkenlos AUF KOSTEN DER MITBÜRGER auslebt – das ist zum Beispiel das ganze Wesen der staatlichen Spaltungspolitik, die „Schlechtmenschen“ von „Gutmenschen“ abteilen will, die wir in der Energiepolitik erlebt haben, in der Migrationspolitik, mittlerweile in der Covid-Politik (des „Kampfes gegen rechts“ sowieso). Und sicherlich wird auch in allen anderen künftigen gesellschaftlichen Kontroversen, in denen sich ein um Anerkennung heischendes Element auf die Seite der Machthaber schlagen wird, die Güte, die sittliche Rechtfertigung oder die sachliche Zweckmäßigkeit dessen, was die Macht gerade fordert, gegenüber dem Konformitäts- und Anerkennungswunsch der WILLIGEN keine Rolle spielen. Es ist umgekehrt das gute alte „Teile und Herrsche“, das mit denen funktioniert, die unbedingt einen „Großen Freund und Bruder“ haben wollen, der sie ihren „gewöhnlichen“ Mitbürgern vorzieht. Um ehrlich zu sein: Italiener, Franzosen oder Polen, so mag ich glauben, suchen sich ihrem Nationalcharakter nach (der ja Empirie ist) einen solchen „Bruder“ eher nicht und betrachten ihre jeweilige Staatsmacht nicht als ihren großen Rechtfertiger und Bedeutungsgeber, sondern mit gesundem, abgeklärtem Zynismus. Ich glaube auch nicht, dass sie irgendwelche von ihren Staaten ausgegebenen „sinnstiftenden Losungen“ allzu ernst nehmen, sondern sie mit ihrem eigenen Verstand hinterfragen. Wir Deutsche mögen sie manchmal für anarchische, schlecht organisierte Chaoten halten, aber sie werden damit zu innerlich freien Menschen.—

Der angebliche Gesundheitsschutz ist der Einstieg in ein sehr ungesundes Phänomen, und er ist ein leichter Einstieg, da die Angst um die eigene körperliche Unversehrtheit a) die Ratio ausschaltet und b) bereits ein „nicht mehr kritisierbares Anliegen“ bildet, mit dem sich für den willigen Einzelnen auch mühelos sittlich sehr unschöne Aktivitäten rechtfertigen lassen. Der Denunziant darf sich einreden, Leben zu retten. Die „epische Mission“ für den Selbstgerechten besteht darin, dass man ihm eingetrichtert hat, er stoppe mit seiner Anschwärzerei z.B. eine allgemein-tödliche Seuche und rette endlos viele Leben. Man tut schließlich etwas unfehlbar Gutes, gerade wo Einen staatliche Stellen (bzw. von diesen beauftragte Agenturen) täglich mit Propaganda zumüllen. Man sei auf der „guten Seite“, und dann haben wir noch Uschi Glas und Sepp Maier, die uns zeigen, wozu man seinen Arm hinhält. Alle ANDEREN haben sich gefälligst gegenüber immer weitergehenden Zumutungen zu beugen. Der Weg in die Spaltung und damit in die Unfreiheit, wo die selbsternannten und staatlich gelobten (siehe Minister Strobl) „Rechtschaffenen“ die Abweichler überwachen und anschwärzen, wird weit aufgestoßen. Wir leben mittlerweile in einer offiziell geschürten kranken Atmosphäre, wo GESUNDE Menschen, die keinerlei Krankheitsbild an sich fühlen, gefälligst gegenüber jedem beliebigen Hergelaufenen nachweisen sollen, sie seien nicht krank und seien keine Gefährdung für das über Nacht unendlich kostbar gewordene Leben des Letzteren! An eine ähnliche „Wichtigtuer-Epidemie“ erinnere ich mich im Zusammenhang mit der Datenschutzgrundverordnung, wo plötzlich allenthalben Persönlichkeitsrechte geltend gemacht wurden (jeder Verein und jeder Fotograf in den Wahnsinn getrieben wurde), die ihren Trägern zuvor völlig gleichgültig gewesen waren. Die Gelegenheit, sich wichtig zu machen, macht es! Und wir haben sogar schon erlebt, dass sich ein Fraktionsvorsitzender einer bekannten Landtagsfraktion diesem völlig irrationalen Druck beugt und öffentlich verkündet, er sei (im Widerspruch zu verabschiedeten Wahlprogrammen) „bereit, sich impfen zu lassen, um wieder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.“ Es ist schon klar, wo die künftigen Flaschenhälse gesellschaftlicher Freiheit errichtet werden: Um die Rückkehr zur Rationalität geht es schon gar nicht mehr. Wer künftig „mitleben“ will (nicht isoliert sein will), wird zur rituellen Unterwerfung und zur Aufgabe seiner Freiheit gezwungen. Es wird dem großen Orchester gefolgt – egal was die Musik vom Tage ist. Man bringt dazu die Willigen gegen die Kritischen auf, oder einfach nur gegen diejenigen, die vor Zumutungen in Ruhe gelassen werden möchten. Alle müssen mitsummen. Ein ganzes Land trägt den erniedrigenden Maulkorb. Das wird uns dann als das angebliche Streben nach Vernunft und Gerechtigkeit angepriesen. Es ist ein widerwärtiger Dressurakt.

Wer gibt sich dafür her, solchen Druck auszuüben und den Helfer des Dompteurs zu spielen? Die Entrüsteten, die Gesund-sein-Wollenden, und die beachtet-sein-Wollenden. Ich habe hier den „Schwarzwälder Boten“ vom 21. April 2021 vor mir. In meinem Wahlkreis Rottweil gibt es eine Freikirchliche Gemeinde, die an Präsenzgottesdiensten festhält. Da gibt es nun laut Presse „Bürger, die seit vielen Monaten ihre Zeit mehr oder weniger isoliert verbringen, sogar auf Besuche von Familienmitgliedern verzichten und nicht verstehen, warum auch in Irslingen mehrmals die Woche Menschen in bis zu 70 Autos vorfahren, um dort Gottesdienst zu feiern.“ Ehrlich gesagt – was diese Bürger nicht zu verstehen scheinen ist im Grunde, warum es offensichtlich anderen besser gehen soll als ihnen, und jetzt fordern sie den Staat als den Gleichmacher. Wenn, verzeihen Sie, ein Mensch weniger verdient, oder schlechter liest oder rechnet als Sie, oder an Außerirdische glaubt – interessiert es Sie dann, ob er Sie „nicht verstehen“ kann? Es interessiert Sie natürlich, es wird nämlich ausnehmend lästig, wenn dieser Mensch hergeht und fordert, Sie sollen sich gefälligst so verhalten wie er – ohne dass er seine eigene Lage hinterfragt, und wie er dorthin gekommen ist. Muss ich mich für meine Ansichten z.B. bei einem Menschen entschuldigen, der die BILD-Zeitung zu seinem Weltbild nimmt? Wird jetzt wieder „gesundes Volksempfinden“ unseligen Andenkens inszeniert, damit auch die, Pardon, Minderbemittelten integriert sind und die Klugen und geistig Selbständigen die Knute spüren? Die Covid-Erfahrung lehrt: Diese Regierenden können noch so katastrophal inkompetent und orientierungslos sein, sie werden doch ALLES tun, um das Heft in der Hand zu behalten und Gehorsam auch dem Widersinnigen zu erzwingen, sich der Rechenschaft für ihr falsches Tun zu entziehen. Wohlgemerkt, die erwähnte Freikirchliche Gemeinde hat ein Hygienekonzept (zweifellos beim Ordnungsamt angemeldet und genehmigt), an das sie sich – so gegenüber der Zeitung – auch halte. Sie hat formal alles richtig gemacht, aber das befriedigt den Neid und den Zorn derjenigen nicht, die sich SELBER aus ihrer eigenen Lage nicht befreien, sondern lieber andere in derselben Lage sehen wollen. Es wird nämlich, im selben Zeitungsartikel, die Katze aus dem Sack gelassen, worum es WIRKLICH geht. Es geht um einen ausgeprägt NEGATIVEN Egalitarismus, etwa so: Ich mache dem anderen kaputt, was ihm Freude macht, weil ich selber zu feige bin, es mir auch für mich zu verdienen und zu holen. Sozusagen: Ich kann mir das Auto des Nachbarn nicht leisten, weil ich nicht innerlich frei bin, weil ich nicht riskieren will, weil ich gehemmt bin, weil ich nicht lernen will – ich mache ihm Kratzer in den Lack, damit er auch keine Freude hat. Und dann behaupte ich, solche Autos zu fahren ist sowieso gesellschaftlich schädlich! Es geht um den NEID des Untertanen auf die Freiheiten, die sich der andere Untertan im Rahmen der Rechtsordnung nimmt. Denn der Erstere tut so, als müsse es so sein (und findet sich zähneknirschend in den Zwang), während der Zweite den Forderungen die unabdingbaren Lippenbekenntnisse leistet, aber die vorhandenen Freiräume nutzt – Letzterer ist wenigstens innerlich frei. Der Erste hingegen ist unfrei und reagiert sich, seine eigene ERNIEDRIGUNG, am Zweiten ab. Es geht in der erzwungenen (und akzeptierten) Isolationssituation um primitiven Neid auf die GEMEINSCHAFT, die jemand anders genießt und feiert. Und dieser niedrige Instinkt wird sich dann so rationalisiert und veredelt, die eigene erniedrigende Zwangssituation entspreche ja allgemeiner Vernunft und sei eine billige Forderung des Gemeinnutzes. Umgekehrt wird er vom offiziellen Deutschland belohnt. Damit macht sich der Denunziant zum Helden und erfährt Bestätigung. Es habe, so der SchwaBo, „zahlreiche Anrufe in die Redaktion“ gegeben: „Etliche Bürger beobachten die großen Zusammenkünfte auch in Irslingen mit Ärger und mit Unverständnis. „Da geht es zu wie in einem Taubenschlag – und wir sitzen mit der Familie seit Monaten allein zuhause, ich treffe keine meiner Freundinnen, mein Mann ist in Kurzarbeit und der Kindergarten ist jetzt auch wieder zu“, ärgert sich eine Bürgerin. Wenn weiterhin solche großen Zusammenkünfte erlaubt seien, sei es logisch, dass die Zahlen steigen. Besorgniserregend ist für eine andere Leserin auch, dass auf dem Parkplatz viele Firmenfahrzeuge größerer Unternehmen aus der Region zu sehen seien. „Die gehen ja am Montag alle wieder zur Arbeit – und eine mögliche Infektion wird dorthin weitergetragen.“ (Immerhin: die gehen zur ARBEITund rufen nicht bei der Zeitung an). So geht es gerade weiter – wer Gottesdienst hält, muss sich inzwischen vor „verärgerten“ Bürgern rechtfertigen, die sonst nichts zu tun haben, als ihre Mitmenschen zu kontrollieren! Warum angerufen wird in vorgespielter gerechter Entrüstung – ich habe es eben beschrieben.

Unter dem Vorwand höchstlöblichen Gesundheitsschutzes werden hier Voyeursinstinkte ausgelebt und fremde Autos gezählt. Erst einmal werden alle Gottesdienstbesucher unter den Verdacht eigensüchtig-rücksichtslos-soziopathischen Verhaltens gestellt. Es wird denunziert – die Pandemie macht das Ausleben des Ungehörigen möglich, und die Aufmerksamkeit der Presse adelt es geradezu. Der Frust über die eigene Zwangslage wird nicht auf die Regierenden gelenkt, die sich schikanöse Maßnahmen fragwürdiger medizinischer (wohl aber wirksamer sozialpsychologischer!) Sinnhaftigkeit ausdenken – feige wird der Frust auf die MITBÜRGER gelenkt, die nicht jede Schikane hinnehmen und deren Einstellung eine grundsätzlich FREIE ist. So gehen in meinen Augen nicht freie, stolze Menschen miteinander um – so gehen Sklaven miteinander um, die gegen ihren wahren Herrn nicht aufzumucken wagen und ihre Frustration an ihren Schicksalsgenossen auslassen, denen das Feiern, Lachen und die Gottesverehrung noch nicht ganz abhandengekommen sind. Wer hindert die Freundin der „Bürgerin“ denn, zu kommen und zusammen spazieren zu gehen? Wer zwingt sie, gewöhnlichen Bürgern zu unterstellen, sie seien Virenschleudern? Wer zwingt sie, tatsächlich zu glauben, freiheitsbeschränkende Maßnahmen hörten tatsächlich WIRKLICH auf und „alles werde wieder gut“ und ihr Mann werde wieder Arbeit haben, sobald man konform und brav sei? Andere Menschen sollen Schuld sein an dem Elend, das man sich selber an der Wahlurne herbeigewählt hat. Und ich meine: Wenn als Ansprechpartner der besagten Gemeinde im Internet ein Herr Vladimir Sch. steht, dann gehe ich davon aus, die  sich hier gleich auch ein Mütchen an „den Russen“ gekühlt wird, die es sich immer noch erlauben, in intakten Familienverbänden zu leben, und denen man sowieso gerne einmal „einen einhängen“ will.

Covid macht es MÖGLICH und scheinbar legitim auszuleben, was vorher als unanständig getadelt wurde. Besonders stößt mir der selbstgerechte Ton all der in der Presse zu Wort kommenden Freizeitdenunzianten auf, bei denen es sich auffallend oft um Denunziantinnen handelt. Und stets ist die moralische Rechtfertigung parat: „Ich bin richtig sauer. Das hat Auswirkungen auf uns alle.“ Um ehrlich zu sein: Es ist mir ein Gräuel, wenn solche selbsternannten Aufpasser auf das angebliche Gemeinwohl sich so exzessiv betätigen, denn für MICH (d.h. „uns alle“) brauchen die nicht zu sorgen. Mit Denunzianten habe ich – immerhin als Abgeordneter in herausgehobener öffentlicher Stellung – kein „Wir“. Ich glaube, denen fehlt seriöse Beschäftigung, auch wenn ich mit diesem Satz riskiere, vielleicht auch den einen oder anderen meiner Leser vor den Kopf zu stoßen, der gerne mehr „Zug“ in dieser Covid-Politik sähe. Ich denke freiheitlich, setze mich für Freiheit ein und möchte auch weiterhin in einer freiheitlich gesinnten Gesellschaft leben. Und um das zu untermauern, hole ich jetzt den großen Knüppel: Es gab in bösen Zeiten sicherlich auch Menschen, das „Gemeinwohl“ feste hinter sich, diejenigen angezeigt haben, wo Behinderte lebten, deren Existenz ja offiziell als das Wohl der damals so genannten „Volksgemeinschaft“ mindernd dargestellt wurde. Oder die Menschen angezeigt haben, die andere offiziell ungern gelittene Menschen beschützt haben, alles im Namen der Ordnung und des Gemeinnutzes. Ich hoffe, meine (bei denen bin ich ziemlich sicher!) und Ihre Nachbarn haben etwas Besseres und ihr Leben eher Ausfüllendes zu tun, als von hinter der Gardine Autos zu zählen, den Publikumsverkehr vor Ihrem oder meinem Haus zu beobachten und bei der Zeitung oder beim Landratsamt anzurufen, wenn ihnen mein Besuch nicht passt.

Also, noch einmal, wie? Ich fasse zusammen: Irgendwelche einzelnen Leute (die in der Presse als Vielzahl dargestellt werden) sind über die vermeintlichen PRIVILEGIEN anderer verärgert, überwachen diese und rufen als purer Wollust dort an, wo anzurufen sie scheinbar für ihre Pflicht halten wollen. Sie wollen glauben, irgendein GERECHTIGKEITSANLIEGEN geltend zu machen. Dann finden – im Rahmen der Gesetze – weder Landratsamt, noch Gemeinden Verwerfliches, womit sie sich beschäftigen wollen oder was sie bisher ohne Handlungsbedarf eben als religiöses Privileg toleriert haben. Dann wird angeblich nicht verstanden, dass die GESETZE das vermeintliche Gerechtigkeitsanliegen eben nicht hergeben – das wird nicht akzeptiert. Dann wird ein vermeintliches öffentliches Bedürfnis inszeniert: Dann kommt die Zeitung und stellt sich implizit auf die Seite der „Besorgten“, bauscht die Sache zu einer „Nachricht“ auf und unterstellt – wie so gerne getan – der in Rede stehenden religiösen Gemeinschaft mangelnde Öffentlichkeit und Transparenz. Alles geschieht scheinbar für einen „höheren, vernünftigen, gemeinnützigen Zweck“ und befriedigt doch – was für ein Zufall – die niedrigsten Instinkte, feiert das Pharisäertum. Derjenige hingegen, an dem die Behörden keinen Fehl gefunden haben, wird dargestellt, als hätte er etwas zu verbergen!

Zugleich bekomme ich (natürlich) aus AfD-Empörungskreisen ein aus dem Büro für Integration des Kreisausschusses des Kreises Groß-Gerau stammendes Schreiben an die Moscheegemeinden im Landkreis Groß-Gerau (Hessen) in Kopie gezeigt (Aktenzeichen 0/1.7 vom 9.4.2021, unterzeichnet von einer Frau Yildiz). Darin steht unter der Kopfzeile „Fastenmonat Ramadan“: „Liebe muslimische Mitbürger*innen, der Ramadan steht vor der Tür. Ihre Freude auf den segensreichen und besonderen Monat ist groß. Wie Sie wissen, gilt für den Landkreis Groß-Gerau aktuell die nächtliche Ausgangssperre. Wir möchten Sie informieren, dass das Verlassen der Wohnung während der nächtlichen Ausgangssperre aus Anlass „Teilnahme an Gottesdiensten zu besonderen religiösen Anlässen“ möglich ist. Dies basiert auf der grundrechtlich geschützten Religionsfreiheit (Art. 4 GG). Das bedeutet, dass Muslim*innen im Ramadan die Moscheegemeinden zur Verrichtung des traditionell-religiösen Ramadan-Nachtgebets (…es folgt der arabische Originalausdruck…) besuchen dürfen. Allerdings müssen Gebets-Teilnehmende einen Nachweis mit sich tragen, falls Kontrollen stattfinden. Wir empfehlen Ihnen eine Art Teilnahmekarten oder –bescheinigungen anzufertigen. So wie einige von Ihnen dies auch für die Freitagsgebete schon tun. Selbstverständlich sind bei der Durchführung der Gottesdienste die Vorgaben des Landes Hessen (CoKoBeV) zu beachten (…).“ Im Folgenden werden die „Multiplikator*innen“ innerhalb der Gemeinden angehalten, bei den Mitgliedern auf die Covid-Regelungen aufmerksam zu machen und diese zu deren Befolgung im öffentlichen wie im privaten Raum zu bewegen. Ebenso werden kostenlose Covid-Testangebote gemacht usw. Dies will heißen – für den hessischen Ramadan gibt es explizite, mit Art. 4 GG begründete Ausnahmeregelungen von den allgemeinen Ausgangssperren. Das muss man nun erst einmal verdauen. Eine der oben beschriebenen vergleichbare Denunziationskultur untereinander halte ich, ich mag da naiv sein, in Moslemgemeinschaften in Deutschland für schlicht undenkbar. Ich habe dort nie gehört, dass man dort einander anschwärzt und sich bei staatlichen Stellen anheischig macht, oder sich gar für deren unfreiheitliche Zumutungsmaßnahmen aktiv argumentierend einsetzte. Im Gegenteil: Deren monolithisches Auftreten als (Interessen)Gemeinschaft imponiert mir. Als AfD-Abgeordneter, der selbst Pressemitteilungen der eigenen Fraktion zur Kenntnis nehmen soll, in denen interne Differenzen gegenüber der Öffentlichkeit in dumm-triumphalistischer Manier ausgelebt werden sollen, sowieso.—

Dass mit dem Schreiben aus dem Kreis Groß-Gerau in schönstem Sternchen*deutsch im Grunde die (medizinische, nicht sozialpsychologische!) Sinnhaftigkeit der Ausgangssperren ad absurdum geführt wird, brauche ich eigentlich nicht zu sagen, denn dem Virus wird der religiöse Charakter von Versammlungen ja herzlich egal sein. Allerdings scheint mir der Unterschied zwischen den beiden beschriebenen Situationen einmal im Kreis Rottweil und einmal im Kreis Groß-Gerau doch ein Verfallssymptom in der Gesellschaft der Bundesrepublik aufzuzeigen – ganz abgesehen davon, dass die beiden traditionellen, einst traditionell Deutschland-bejahenden Volksparteien CDU/CSU in den heutigen Meinungsumfragen ZUSAMMEN kaum noch die Hälfte der Wahlberechtigten binden können und gegenüber all den Partikular-Interessenparteien kein überzeugendes Angebot machen können. Ich werde hier kein Zuwanderer-Bashing äußern, denn mir kommt der Gedanke: Liebe deutsche Landsleute, selber schuld! Wieso? Gerade islamische Religionsgemeinschaften der Zuwanderer zeigen Einigkeit, Traditionsbewußtsein und Zähigkeit in der Artikulation ihrer ethnokulturell-religiösen Interessen und Forderungen. Sie ziehen (zumindest in ihrer öffentlichen Selbstdarstellung) sich, ihre Geschichte und Kultur eben nicht täglich aus Gewinn- und Geltungsstreben in den Dreck, sondern zeigen gegenüber Ihresgleichen elementaren ANSTAND. Sie äußern sogar zunehmend bestimmte Empfindlichkeiten gegenüber UNSERESGLEICHEN und einen besonderen Stolz auf ihre EIGENE Kultur, nicht die hiesige Mehrheitskultur, und fordern von der Mehrheitskultur Zugeständnisse und manchmal sogar Anpassung. Genießen Sie einfach einmal derartige Lektüre: https://www.cdu-nrw-fraktion.de/artikel/teilhabe-und-integrationsstrategie-2030; https://www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de/de/dokumente/frankfurter-integrations-und-diversitaetskonzept; https://www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de/sites/default/files/medien/downloads/Soziales_Zusammenleben/amka_integrationskonzept_2011.pdf; https://vielfalt-in-stadt-und-land.de/projektkommunen-2018-2020/muehlacker.  Was nicht mehr STEUERBAR ist, wird dann als „VIELFALT“ zur Tugend stilisiert und bemitleidenswerte Machtlosigkeit als angebliche Werte-progressive Gestaltungskraft ausgegeben. Es ist da allzu bedauerlich, dass im Internet nicht mehr das von dem Pforzheimer SPD-Mitglied und Gewerkschafter Eray Aydin verfasste Papier „Impulspapier Integration – Enzkreis 2030“ zur Verfügung zu stehen scheint. Aydin forderte im Dienst und damit im Namen des Kreises (wohl angeregt durch die Doktrinen von Prof. Naika Foroutan, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Naika_Foroutan) nicht weniger als einen neuen Begriff des Deutschseins, der unabhängig von Herkunft, Kultur und Religion sein sollte. Die Umwandlung des Nationalstaates in einen Multikulti-Verfassungs- und Territorialstaat ist de facto offizielle Staatsdoktrin. Die Eingeborenen haben das „einfach“ hinzunehmen.

Um diesen Stolz nicht zu verletzen (und oft genug, um lautstarke Willensmanifestationen abzuwenden, bei denen es hässliche Polizeiszenen geben könnte), geben Behörden vorauseilend nach und verkünden Sonderregelungen, von denen die hiesige Mehrheitskultur nur träumen kann. (Wer allerdings nicht einmal mehr zu träumen wagt, der zieht seine eigenen Landsleute mittels DENUNZIANTENTUM in die Untertanenexistenz hinab). Die beiden großen, mit Steuergeldern alimentierten Volkskirchen in Deutschland hingegen zeigten sich von der ERSTEN Covid-Stunde an dem Staat unterwürfig und forderten, zumindest nach meiner Information, ihre religiösen Rechte nach Art. 4 GG gar nicht erst ein. Nein, sie wollten der Staatsmacht regelrecht helfen, anstatt lediglich pflichtschuldig „dem Cäsar zu geben was des Cäsars ist“. Sie wollen von den Machthabern, vom Staat geliebt und anerkannt sein, wollten dieselben versichern, die Kirchen stünden „auf der richtigen Seite“. Auch hier kann ich mich der Lehre aus der NS-Zeit nicht verwehren, wo die offiziellen Kirchen, insbesondere die evangelische, keine Distanz hielten, sondern sich der „neuen Zeit“ in die Arme warfen. Letzteres ist heute ein Grund bzw. Vorwand, sich mit Dreckwerfen gegen die AfD von ihren damaligen Fehlern – wieder auf Kosten unbescholtener Bürger – reinwaschen zu wollen und demonstrieren zu wollen, sinngemäß, „man habe aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und werde so etwas nie wieder zulassen“. Besonders der Stuttgarter Stadtdekan Hermes scheint sich da besonders hervortun zu wollen (s. https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stadtdekan-hermes-zur-ob-wahl-freude-ueber-misserfolg-der-rechten-ob-bewerber.1c399e16-e444-4595-9825-77de95cb0ff0.html; https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.politisches-statement-vor-der-landtagswahl-stadtdekan-hermes-afd-schuert-hass.0f061e73-7ee9-4d43-ba12-577aedcc9600.html; http://w55241n5q.homepage.t-online.de/AfD.Dekan%20Hermes.Hildebr,Zott%2024.4.16.pdf; https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.der-politische-stuttgarter-stadtdekan-ein-dekan-seziert-den-rechtspopulismus.62ff1b9b-cc57-42c9-8c09-ea85828168b1.html ) und ich frage mich, welche psychologischen Lasten und Defizite dieser Mann Gottes, wie sie sich selber gerne sehen, da selber wohl mitschleppt und zu kompensieren hat. Ich wundere mich, dass er bei all den politischen Philippiken und seinen Unterstellungen, ANDERE würden Hass verbreiten und die Gesellschaft spalten, überhaupt noch zur Verkündigung des Evangeliums kommt. Er scheint mir das Sprachrohr „des Cäsars“ in der Kirche und ist für die Stuttgarter Zeitung etwa das, was der Luxemburgische Außenminister Jean Asselborn für den Deutschlandfunk ist: Er hat immer Zeit, weil er offenbar nichts Ernsthaftes zu tun hat. Und allenthalben laufen solchen Polit-Kirchen die Schäflein davon.

Was ich am Schluss sagen will: „Die schon länger hier leben“ gehen, ohne gemeinsame Ziele und ohne Solidarität, aufeinander los und der Staat instrumentalisiert die Gefallsucht der Unbedeutenden, der Ungeliebten, der Unzufriedenen, derjenigen, die unbedingt glauben wollen, ER wolle IHR Freund sein. Betrogen sind sie alle: Der Staat ist eine Maschine, die ihren eigenen Interessen dient und die niemanden liebt. Wenn diese Maschine irgendwelche Vorlieben für Gruppen zeigt, dann um ihre eigene weltanschauliche Orientierung, ihren vorgeblichen STAATSZWECK zu illustrieren und zu untermauern. STAATSVOLK zu sein bedeutet heute nicht einmal mehr das Privileg der unangefochtenen öffentlichen Ethnokultur, keinen Grenzschutz und erst recht keinen finanziellen Interessenschutz gegenüber den Gelüsten anderer Staaten. Wenn aber, um zum Anfang zurückzukommen, ein grundgesetzliches Recht besteht (Art. 4 GG), religiöse Privilegien gegenüber unfreiheitlichen staatlichen Maßnahmen geltend zu machen, und dieses Recht auch materiell bestimmten Gruppen regelrecht angeboten wird (s. Groß-Gerau), dann sollten freiheitlich gesinnte Bürger nicht auf genau diejenigen freikirchlichen Gemeinden losgehen, die genau dies tun, die an ihren Gottesdiensten und an der Gemeinschaft untereinander und mit ihrem Gott festhalten.

Der deutsche Staat war einst der Freund der Deutschen, und das ist keine 30 Jahre her. Heute ist er niemandes Freund, sondern ein selbstverliebter, oft brutal auftretender Selbstzweck, dem die Eigenschaften (und damit die Loyalitäten!) seiner Bürger buchstäblich egal (s. „Vielfalt“) sind, solange er nur Herrschaftsobjekte hat. Wenn wir eines von unseren moslemischen Mitbürgern lernen können, dann dies: EINIGKEIT im Auftritt und gegenseitige Solidarität gegenüber Übergriffen auf unsere Freiheit sind die einzige Sprache, die dieser Staat noch versteht. Die Freiheit wächst nicht von selber im Garten, sie will bewacht und gehegt sein. Die Rückkehr zu unseren Freiheiten kommt nicht von selbst und gewiss nicht dadurch, dass deutsche Bürger deutschen Bürgern in den Rücken fallen. Der selbstbewußte Bürger muss dem Staat unmissverständlich zeigen, welcher friedliche Andersdenkende inzwischen in maßloser Weise kriminalisiert und nichts Privates mehr achtet, dass er sein RECHT endlich respektiert sehen und diese Regierung zu Anstand zurückgeführt sehen will.

Ihr

Emil Sänze